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Aktualisiert (Sonntag, 20. September 2009 um 10:28 Uhr)
Von Elefantenrunden, goldenen Kälbern und Leittieren!
Sehr geehrte Redakteure und Intendanten,
der Elefant gilt als kluges Tier, dass mittels seines "elefantösen" Gedächtnisses sich nicht nur Geschehenes gut merken sondern auch aus Erfahrung lernen kann. Dennoch täuscht seine sprichwörtlich dicke Haut darüber hinweg, dass es sich in Wahrheit um eine dünne Haut handelt, weshalb auch der Elefant eine ziemlich niedrige Reizschwelle hat und leicht in Rage oder Panik zu versetzen ist. Dazu genügt bekanntlich bereits, ihm zu nahe zu kommen oder gar nur eine Maus.
Nicht immer freilich gelingt es einer Maus den Elefanten zu reizen, vor allem nicht dann, wenn es sich gar nicht um einen Elefanten handelt sondern dem betreffenden Lebewesen dieser Titel lediglich öffentlich zugeschrieben wird. Deshalb bringen die vermeintlichen Elefanten oder auch politischen Schwergewichte nun ihre öffentlich-rechtlichen Sprachrohre in die Verlegenheit, durch Nichterscheinen in den nach ihrem offiziösen Anschein so benannten Elefantenrunden, eben diese Sprachrohre ARD und ZDF, vulgo Erstes und Zweites genannt, der geliebten und bewährten Funktion des öffentlichen Rüssels zu berauben. Letzterer dient ja dem Elefanten bekanntlich nicht nur dazu, laut zu trompeten, sondern auch die erreich- und erriechbare Umgebung zu erkunden, be-greifen, ertasten und zu befühlen und schließlich die Erkenntnisse dieser verschiedenen Erkenntnisprozesse hinauszuposaunen.
Dermaßen der eigenen Funktion nach ureigenem Verständnis entblößt und nunmehr der Führung sowohl durch die Leitelefantenkuh und auch des wichtigsten Leitelefantenbullen entzogen, greifen die beiden bedeutendsten öffentlichen Kommunikationselefanten auf ihr elefantöses Gedächtnis, intern Archiv genannt zurück, um der nun vermeintlich führungslos gewordenen Herde mangels Präsenz aktueller Autorität zumindest die Epigonen vergangener Zeiten anzubieten.
Wer bestimmt eigentlich die in der Öffentlichkeit gesetzten Themen? Nach dem bisher unerreichten Tiefpunkt öffentlicher Information zu einer Bundestagswahl in Gestalt der simultanen Ausstrahlung eines Duells zwischen Bonnie Merkel und Clyde Steinmeier auf der einen Seite gegen Wyatt Earp und seine drei Brüder und Schwestern auf der anderen Seite, Showdown auf sämtlichen Kanälen der vier wichtigsten TV-Anstalten, folgt nun die offene Kapitulationserklärung der deutschen Medien gegenüber der Beharrlichkeit des Stils von Kanzlerin und Prätendenten. Das Ausland freilich kann darüber nur noch lachen.
Uneinigkeit in den Medien bestimmt auch unsere Einschätzung der Absage von Angela Merkel und Frank Walter Steinmeyer für die angesetzten Termine im öffentlich-rechtlichen TV mitten in der Schlussspurtwoche eines Wahlkampfs, von dem noch niemand zu sagen wagt, ob es überhaupt einer ist.
Dennoch hält sich die Erregung über diesen Affront der Spitzenkandidaten gegenüber der deutschen Öffentlichkeit in Grenzen. Kaum eine Zeitung berichtet mehr als eine Randnotiz. Die Sender selbst äußern sich dazu in einer Kürze, die der Bedeutung des Themas Hohn spricht. Lediglich der Chefredakteur des ZDF deutet an, was jedem Deutschen klar sein sollte: "Die Verweigerung von Kanzlerin und Kanzlerkandidat beschädigt die demokratische Kultur."
Wir wollen an dieser Stelle unseren Gefühlen Ausdruck verleihen: Seit Jahrzehnten hat sich dieses Land mit seinen Medien daran gewöhnt in politischen Fragen um das Konzept "Partei" zu tanzen, wie um ein goldenes Kalb. Die Medien selbst haben einen nicht unbeträchtlichen Teil dazu beigetragen, dass sich die Begriffe "Politik", "Parteien" und sogar "Staat" in der Wahrnehmung der Menschen als Synonyme vermischt haben. Spätestens seit der Transformation zivilgesellschaftlicher Initiativen in parteipolitische Formate wie die GRÜNEN und weitere Nachahmer haben damit gerade die Medien dazu beigetragen, dass der Betroffene, der Bürger als einzelnes Individuum, sich nicht mehr als Subjekt der Politik wahrnimmt, sondern lediglich als Objekt, sich also als beliebige Verschiebemasse fühlen darf. Zivilgesellschaftliches Engagement auf der politischen Ebene wird gemeinhin belächelt und ignoriert. So ist es bisher auch der Aufmerksamkeit der beiden großen Sender des öffentlichen Rechts, mithin Gemeineigentum der objektivierten Subjekte des sie tragenden Staates, bisher vollkommen entgangen, dass sich immer mehr Menschen einer weithin beklagten Politikverdrossenheit befleißigen, die sich zunehmend als Parteiverdrossenheit entpuppt. Noch nie waren so kurz vor einer Wahl rund 25% der noch immer Wahlwilligen unentschlossen, wen oder was sie wählen sollen und wenn ja warum überhaupt.
In der löblichen Absicht zum Erhalt der Demokratie beizutragen versuchen nunmehr beide Sender den Glanz der Goldenen Kälbern ein wenig aufzupolieren und sehen sich unvermittelt als Antwort mit Tritten in den Allerwertesten bedacht, da sich die Kälber kurzerhand selbst ausgeladen haben. Nun liegt es uns fern, ob der Erkenntnis, dass es sich bei Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier weder um Elefanten noch um Kälber zu handeln scheint, Präsident Obama zu bemühen und die beiden mit Eseln zu vergleichen, auch wenn man auf Grund der Tritte in die Hintern der Fernsehredakteure davon sprechen könnte. Das Dilemma wäre damit ja auch kaum zum Vorteil oder Fortschritt des Landes zu lösen. Vielmehr kann es an dieser Stelle nur noch darum gehen, den Hafersack der Esel an die Intendanten weiterzureichen und deutlich zu machen, dass die Medien sich die Elefanten und Kälber selbst großgezogen haben, mit anderen Worten, es ist deren Entscheidung, zu pflegen zu nähren und großzuziehen, was ihnen kaum, groß genug geworden, dann plötzlich und unvermittelt Tritte versetzt. Als genetischem Bayern kann ich es mir nicht verkneifen. Wir haben das Sprichwort: "Alt und grau darfst Du werden, aber mit Frechheiten kommst uns nicht!"
An dieser Stelle wollen wir lieber den Vorschlag der Besinnung machen, nicht zuletzt, da uns nach Wahl und Koalitionstheater wieder die besinnliche Zeit bevorstehen wird.
Wem gehören die öffentlich rechtlichen Sender? Wer bestimmt dort, was ins Programm kommt und worüber öffentlich gesprochen wird? Wen repräsentieren die Herden der grauen Parteitiere denn noch, wenn gefühlte 50% nicht mehr zu Wahl gehen wollen? Wozu brauchen ARD und ZDF Elefantenrunden und elefantöse Leitkühe oder Leitbullen, die die Inhalte bestimmen? Wer steht für die 50%, die nicht wissen, wen sie wählen sollen und auch nichts über die Alternativen erfahren? Wer, wenn nicht die 166 parteilosen und unverbundenen Einzelkandidaten steht für diesen Teil der Bevölkerung, der sich weigert, zu resignieren?
Nun, liebe Redakteur und Intendanten, wenn man Ihnen den Mittelfinger zeigt: Die Sendezeit wird von allen Deutschen bezahlt. Dann zeigt diesen Zahlern doch auch, welche Alternativen sie haben, vor allem, wenn es Euren goldenen Kälbern ohnehin egal ist, ob sie zu sehen sind oder nicht. Es ist in dieser Woche kurz vor der Wahl noch nicht mal zu spät, zu diesen Terminen zu improvisieren und mit 166 parteilosen Direktkandidaten stehen genug Gesprächspartner zur Auswahl, die darauf brennen Leben in diesen "Wahlkampf" zu bringen können und Farbe in diese grau gewordenen Demokratie.
Tipp: www.unabhaengige.info
In diesem Sinne greifen wir an dieser Stelle gern den Aspekt des ZDF-Chefredakteurs auf und weisen auf die Beschädigung der Demokratie hin, die unserer Ansicht nach schon stattfindet, wenn wir uns in gewohnt autoritärer Disposition und williger Manier Leit- und Führungsfiguren unterwerfen und unserer Demokratie damit das wichtigste Element vorenthalten, das sie zum Gedeihen braucht - Wettbewerb. Mit anderen Worten: Was beklagt ihr Euch, von den Geschöpfen schlecht behandelt zu werden, die ihr selbst geschaffen habt? Wenn die Medien sich als die vierte Gewalt bezeichnen und öffentliche Kontrolle ausüben wollen, dann kann dies nur gelingen wenn Tagesordnung, Personen und Inhalte durch Abbildung der existierenden Realität bestimmt werden und nicht eilfertig gewünschte Realität erzeugt wird. Denn gerade die Medien haben mehr als nur die Funktion, öffentliches Sprachrohr der Leitkühe und Leitbullen zu sein. Sie haben vor allem die Fähigkeit, die Stimmen der Herde zu lauten und deutlichen Rufen zu verdichten. Als Beitrag zum Funktionieren dieser Demokratie.
Und diese Stimmen stehen bereit, gehört zu werden.
Mit demokratischen Grüßen
© 2009, FÜR VOLKSENTSCHEIDE (Wählergemeinschaft)
Thomas Blechschmidt, Postfach 02 55, 86802 Buchloe
Mitglied des Vorstands
Pressebeauftragter für Bayern





