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Aktualisiert (Samstag, 20. Februar 2010 um 10:29 Uhr)
Island: 320.000 entscheiden über vier Milliarden
Zum Artikel vom 07.01.2010 von Gunnar Hermann (Süddeutsche Zeitung)
Der Artikel startet mit dem Bezugsort Stockholm, sinnhaft für Nordeuropa, und deshalb ist es unmöglich der Versuchung zu erliegen, von einem Elchtest für die Direkte Demokratie zu sprechen. Doch was für den Elchtest ebenso gilt wie für die hierzulande ebenso beliebte Nagelprobe: Man kann ebenso wider aufstehen oder den Nagel grade klopfen.
Ein Präsident interpretiert also sein Amt wortgetreu: Vorsitzender einer Gemeinschaft zu sein und dem Ganzen seine ordnende Hand zu leihen.
Olafur Grimsson wird bereits jetzt als politischer Hasardeur gebrandmarkt. Dabei setzt er nichts als seine Aufgabe in die Tat um. Als demokratisch gewählter Präsident einer Demokratie, in der das Wort Volkssouveränität mehr bedeutet, als selbst entscheiden zu dürfen, wohin man jeweils in den Urlaub fliegt oder bei welchem Billigdiscounter man einkauft. So wie er es bei der Wahl seinem Volk versprochen hat.
Der isländische Präsident führt seinen Landsleuten in einem Augenblick nationaler Frustration vor Augen, dass sie immer noch sie selbst sind und sie immer noch die Würde freier Menschen besitzen.
Gleichzeitig richtet er eine Adresse an die Regierungen Europas, denn in ihrer tendenziell staatsautoritären Tradition das Verständnis und die Toleranz gegenüber einer politischen Mentalität fehlen, die zum authentischen Erbe gemeinsamer germanischer und keltischer Vorfahren gehört: Gemeinsame Freiheit, gemeinsame Verantwortung und gemeinsame Souveränität gehören zusammen.
Grimsson erinnert aus der Abgeschiedenheit einer nordatlantischen Insel uns Europäer an eine einfache Wahrheit: "In einer Demokratie haben Bürger, sofern sie in ihrer Gesamtheit tatsächlich den Anspruch erheben, ihr eigener Souverän zu sein, das originäre Recht der direkten Einflussnahme. Repräsentanten sind Bevollmächtigte auf Widerruf. Sowohl der konkreten Handlung als auch der Amtszeit."
Der britische Protest gegen Grimssons Ansetzung eines Volksentscheids ist auf Grund der gemeinsamen Wurzeln in heidnischem Recht schon schwer verständlich, doch der niederländische nimmt sich dagegen aus, wie ein vorzeitig den Rhein hinab geschwommener Karnevalsscherz als Ausgeburt rheinischen Humors. Haben sich die Kölner Jecken etwa schon zu Jahresbeginn in den Rhein hinein übergeben?
Olafur Grimsson tut das, was ein guter Vorsitzender einer Gemeinschaft tun muss: Er respektiert den Zwiespalt und die fehlende Einigkeit in der Meinung der gewählten Repräsentanten. Auf dieser Basis will er dem Parlament keine Entscheidung zumuten, deren Auswirkungen das Parlament fürchtet. Betroffen wird in jedem Fall das gesamte isländische Volk sein und es wird sich daher so oder so der Verantwortung stellen müssen. Grimsson will, dass das Volk hinter den notwendigen Maßnahmen steht und er gibt damit der gewählten Regierung Handlungsspielräume zurück. Die Isländer werden das richtige tun.
Diese Sichtweise ist für uns in der EU offenbar so wenig vorstellbar, dass wir uns lieber in einen Krieg am Hindukusch schicken lassen als unser Schicksal aktiv mit zu gestalten. Sprich selbst mehr direkte Verantwortung zu übernehmen.
Von Island können wir lernen. Auch wir haben 1,6 Billionen Euro Schulden. Auch wir müssen dafür gerade stehen. Warum entscheiden wir dann nicht einfach gemeinsam?
Aktualisiert (Freitag, 04. Dezember 2009 um 08:39 Uhr)
Knapp 1,3 Millionen Bayern haben sich eingetragen
Ja, das war eine tolle Party. Irgendwie habe ich es heute Vormittag doch noch geschafft, in der Münchner Westermühlstrasse im "Kreuzberger" aufzuschlagen, einem der letzten bodenständigen Traditionslokale im "Glockenbachviertel". Der Wirt hatte für seinen Freund Sebastian Frankenberger, der Galionsfigur des Volksbegehrens, extra seine Linie verlassen und bereits am frühen Morgen aufgesperrt. Als ich dann gegen 11:30 Uhr endlich eintraf, war der Jubel bereits groß. 13,9 %! Knapp 1,3 Millionen Bayern haben sich eingetragen und tragen die Initiative mit. Die Ergebnisse waren bereits bekannt. Die offizielle Bekanntgabe wird noch bis kurz vor Weihnachten auf sich warten lassen, doch das Ziel wurde erreicht.
Weiterlesen: 03.12.2009 Volksbegehrens "besserer Nichtraucherschutz in Bayern" erfolgreich
Aktualisiert (Donnerstag, 03. Dezember 2009 um 20:33 Uhr)
Von der Schweiz zu lernen ist eine Möglichkeit, die uns offen steht.
Natürlich war klar, dass nach dem unerwarteten Ausgang des Minarett-Entscheids in der Schweiz die Wellen hoch schlagen würden und so mancher sich berufen fühlt, das Instrument des Volksentscheids zu verdammen. Bei so einer augenfällig chauvinistischen Entscheidung freut sich jeder Gegner von Volksentscheiden und nutzt dies als Argument, dieses wichtige Mittel der Politik als gefährlichen Unfug und Steigbügelhalter des Populismus zu diffamieren.
Weiterlesen: 03.12.2009 Lernen vom Schweizer Minarett-Volksentscheid
Aktualisiert (Donnerstag, 03. Dezember 2009 um 20:33 Uhr)
Wir sagen "Danke Schweiz"
Und ab morgen (wenn der Erfolg des Volksbegehrens feststeht) auch "Danke Bayern".
Beide Initiativen machen sichtbar, wie wenig unsere "Repräsentanten" bisher auf Volkes Meinung hören. Und genau daran muss sich etwas ändern!
Wir haben da eine klare Position, die wir bestätigt sehen: "Wir brauchen Volksbegehren und Volksentscheide, um den Bürgerwillen
sichtbar zu machen und ihn in Politik / Gesetze umzusetzen, falls unsere Repräsentanten das nicht schaffen."
Weiterlesen: 02.12.2009 Kommentar zu der "Minarett-Volksentscheidung" in der Schweiz
Aktualisiert (Montag, 23. November 2009 um 00:25 Uhr)
Öffentliche Konsultation zur europäischen Bürgerinitiative
Am 11. November 2009 hat die Europäische Kommission das Grünbuch zur Europäischen Bürgerinitiative veröffentlicht. Damit startet die öffentliche Diskussion über die Ausgestaltung dieses neuen direkt-demokratischen Instruments innerhalb der Europäischen Union. Bis zum 31. Januar 2010 haben Interessierte die Möglichkeit sich zu den Fragestellungen im Grünbuch zu äußern.
Weiterlesen: 11.11.2009 Die Europäische Bürgerinitiative - Grünbuch
Aktualisiert (Donnerstag, 12. November 2009 um 00:22 Uhr)
NEUESTE MELDUNG VON MEHR DEMOKRATIE
Liebe Demokratiefreunde,
gute Nachricht aus dem Saarland: Die kommende Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen plant umfassende Reformen der direkten Demokratie. Volks- und Bürgerentscheide sollen einfacher durchführbar werden.
Aktualisiert (Mittwoch, 30. September 2009 um 21:46 Uhr)
In der nachfolgenden Tabelle finden Sie die vorläufigen Erststimmen-Ergebnisse aller Direktkandidaten (Kreiswahlvorschläge) der kleinen Parteien, Wählergemeinschaften und Einzelbewerber zur Bundestagswahl 2009.
Weiterlesen: 30.09.2009 Erststimmen-Ergebnisse der "Kleinen" (vorläufig)
Weiterlesen...
- 27.09.2009 Einladung zur Mitgliederversammlung am 25.10.2009
- 23.09.2009: TV-Absagen der Kanzlerin und des Kandidaten - Reaktion der ARD
- 23.09.2009 Grüne: Erststimme für die SPD
- 20.09.2009 TV-Absagen der Kanzlerin und des Kandidaten: Der Tritt des goldenen Kalbes
- 20.09.2009 Stockerkahn-Demo am 25. September in Tübingen
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